Bis auf den letzten Platz war am Freitagabend die kleine St. Anna Kapelle in Hofstetten besetzt. Dorthin hatten die Jäger des Jagdverbandes der Kreisgruppe Hofheim zur Messe zu Ehren ihres Schutzpatrons Sankt Hubertus eingeladen. Ausgestaltet wurde die Messe mit den entsprechenden Bläserstücken durch die Jagdhornbläser „Haßberge“. Die Lithurgie des ökumenischen Gottesdienstes lag in den Händen von Prädikant Alfred Austel aus Königsberg. Austel, selbst auch Jäger, ging in seiner Ansprache zunächst auf das besondere Leben und Wirken des Sankt Hubertus ein und dann auf die Besonderheiten und das Wirken und Hegen des Jägerstandes und ihren bewussten Umgang mit den Tieren und der Natur. Er stellte aber auch die Frage was inzwischen aus der von Gott geschaffenen wunderbaren Schöpfung geworden ist, in der die Jäger in der Spannung zwischen dieser Schöpfung und der inzwischen stark veränderten Umwelt, in der vom Menschen das Gleichgewicht der Natur immer mehr gestört wird, leben und agieren müssen.

Auf diesen Zwiespalt ging ebenfalls der 1. Vorsitzende der Kreisgruppe, Elmar Brückner, bei seiner Ansprache in der ehemaligen Hofstettener Schule ein. Dort fand im Anschluss an den Gottesdienst ein Kesselfleischessen statt. Er blickte dabei nicht nur auf die Zeit zurück, er blickte auch in die Zukunft: „An diesem Tag des Rückblicks auf ein hoffentlich gefülltes Jagdjahr, sollten wir auch einen Blick in die Zukunft wagen. Auch wenn das vielleicht schmerzhaft ist.“

Hinsichtlich dieser Zukunft fand er teilweise sehr kritische Worte: „Wer realistisch und auch selbstkritisch ist, mit beiden Beinen im Leben steht wird feststellen und auch zugeben müssen, dass es mit dem Image der Jagd und vor allem der Jäger nicht zum Besten steht. Es liegt vor allem an uns, das uns angedichtete Image aufzubessern. Was andere im Namen der Jagd tun und wie die Jagd dadurch in der Öffentlichkeit und den Medien dargestellt und gesehen werde, trage sehr wohl zum derzeitigen Erscheinungsbild bei.“

Trotzdem zeigte sich Brückner überzeugt, dass die Jagd eine Zukunft habe, aber nur, wenn sich der Jäger öffne und ändere. Denn: „Kein Naturgut kann über ein anderes gestellt werden. Der Mensch trägt die Verantwortung, dass das so bleibt. Er ist verantwortlich für seine Mitgeschöpfe und sollte sich heute mehr denn je aktiv für sie und ihre Bedürfnisse einsetzen.“

Der Vorsitzende zeichnete in diesem Zusammenhang auch das Zerrbild der Jäger auf, in welchem diese inzwischen sehr oft in der Öffentlichkeit dargestellt würden: „Illustrationen zeigen das Bild von einem grün gekleideten fettleibigen Menschen, mit Filzhut, Gewehr über der Schulter und notfalls noch viele und große Trophäen an der Wand. Er fährt mit einem geländegängigen Fahrzeug in die entlegensten Ecken der Natur und stellt Hochsitze gezielt an den Reviergrenzen auf, von denen das Wild geschossen wird. Diese Szenarien sind noch zahllos fortsetzbar.“ Zusätzlich war Brückner der Meinung, dass zudem aus der Sicht der Bevölkerung die Jäger immer mehr nicht unbedingt als verantwortlich für die Aufrechterhaltung einer intakten Natur und Tierwelt wahrgenommen würden.

Abschließend stellte Elmar Brückner fest: „Unsere Wildtiere sind ein Teil der Schöpfung und nehmen einen wichtigen Platz im Ökosystem ein. Wald, Feld und Wild bilden eine ökologische Einheit und sind nicht voneinander zu trennen Eine waidgerechte und tierschutzgerechte Jagd ist unentbehrlich und darf nicht sonstigen wirtschaftlichen oder ideologischen Vorstellungen geopfert werden. Es funktioniert auch ein Wald mit Tieren.“ Seine Waidkameraden forderte er auf: „Nehmen sie die jungen Jäger mit ins Revier, leben sie die ihnen wichtigen Werte und Traditionen vor. Verschließen sie sich jedoch nicht dem notwendigen Wandel und Vorschriften. Jagd ist ein Kulturgut und sollte erhalten bleiben.“

Mit einem gemütlichen zweiten Teil, den die Jagdhornbläser „Haßberge“ mit dem Signal „Zum Essen“ und weiteren Stücken umrahmten, endete die Feier zu Ehren Sankt Hubertus.

gs