Auf dem Schloßberg am Gefallenenehrenmal versammelten sich am Vormittag des Volkstrauertages auch in diesem Jahr Königsberger Bürgerinnen und Bürger, um der Gefallenen, Verfolgten und Ermordeten der zwei Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts, der kriegerischen Auseinandersetzungen der Jetztzeit und derer, die durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind, zu gedenken.

Bürgermeister Claus Bittenbrünn ging in seiner Ansprache zunächst auf das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren ein, der in militärischer Hinsicht ein bis dahin nicht gekanntes schreckliches Antlitz zeigte. Die Soldaten fielen zu Hunderttausenden. 70 Millionen Männer wurden in 40 Ländern und den Kolonien mobilisiert. Jeder Siebte, also zehn Millionen Soldaten fielen.

Aber, so fuhr er fort, die Ruhe nach dem Sturm war, wie wir heute wissen, die Ruhe vor dem Sturm, der gut zwanzig Jahre später mit dem 2. Weltkrieg ein Vierfaches an Menschenleben kostete. In diesem Zusammenhang stellte er auch die Frage wie das geschehen konnte, dass sich so schnell nach diesem schrecklichen 1. Weltkrieg in vielen Staaten Europas wieder autoritäre und diktatorische Regime etablieren konnten. „Dieses Bewusstsein der Geschichte muss uns heute mahnen aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken und ihren Tod in einen historischen Kontext zu stellen und die Lektion der Geschichte zu lernen und zu lehren“, fügte das Stadtoberhaupt dahin gehend an.

Bittenbrünn sprach in der Gedenkfeier, die vom Posaunenchor Königsberg unter der Leitung von Wolfgang Fischer musikalisch begleitet wurde, auch die Bedeutung des Volkstrauertages für die jetzige Generation an: „Der Volkstrauertag ist ein Tag des Gedenkens, der stillen Einkehr und Trauer, aber er ist auch ein Tag der kritischen Reflexion und der Immunisierung gegen billige Parolen von alternativen Gruppierungen und Parteien. Er ist ein Tag des Engagements für ein gelingendes Miteinander in Europa. Am Volkstrauertag schauen wir zurück auf die Schrecken des Krieges aber auch voraus auf die Bewahrung von Frieden, Demokratie und Menschenrechten“.

Abschließend forderte er die Teilnehmer an der Gedenkstunde auf: „Erinnerung darf niemals nur ein Blick zurück sein. Erinnerung ist zugleich der Auftrag an uns alle Gegenwart und Zukunft friedvoll zu gestalten“.

Nach einem Gebet von Pfarrer Peter Hohlweg, legte Bürgermeister Claus Bittenbrünn zum Ende der Gedenkfeier gemeinsam mit Vertretern des VdK und des Kriegervereins am Ehrenmal Kränze nieder. Fahnenabordnungen des Kriegervereins und der Soldatenkameradschaft, der Schützengesellschaft Königsberg, des Bayerischen Roten Kreuzes und des TV Königsberg begleiteten die Gedenkfeier.